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„Du musst das Thema Fußball-Profi ganzheitlich betrachten“

This is GOKIXX · 16. Februar 2021

Sein Rekord hat auch nach fast zwei Jahrzehnten noch Bestand. Insgesamt 884 Minuten blieb Timo Hildebrand im Jahr 2003 in der Bundesliga ohne Gegentor. Der heute 41-Jährige weiß also, was es braucht, um im Fußball erfolgreich zu sein. Im Alter von gerade einmal 20 Jahren debütierte Hildebrand in der Bundesliga – im Trikot des VfB Stuttgart, mit dem er 2007 auch Deutscher Meister wurde. Der langjährige Keeper des VfB Stuttgart hat insgesamt knapp 500 Pflichtspiele absolviert, lief in der Primera Division ebenso auf wie in der Champions League.

Nach der Karriere blieb Hildebrand dem Fußball verbunden, unter anderem auch als Partner und Investor beim Start-up GOKIXX. Die Förderung des Nachwuchsfußballs ist Timo Hildebrand ein besonderes Bedürfnis – denn er weiß aus eigener Erfahrung, dass für die Jugendlichen auf dem Weg zur Profi-Karriere neben Talent und Ehrgeiz ein unabhängiger Partner an ihrer Seite besonders hilfreich ist. Wir haben mit dem WM-Teilnehmer von 2006 über seinen Weg in den Profi-Fußball, alte Erfahrungen und neue Erkenntnisse gesprochen.

Timo Hildebrand - VfB Stuttgart

Bildquelle: imago

GOKIXX: Hi Timo, herzlich Willkommen zum Interview mit GOKIXX. Wo erreichen wir Dich gerade in Zeiten des Lockdowns?

Timo: Zu Hause, wo sonst? (lacht). Im Ernst: Ich bin schon oft hier. Ich bin in einigen Projekten engagiert, da habe ich immer wieder Termine. Aber die meiste Zeit bin ich wie alle daheim. Zudem habe ich ja auch wochenweise meinen kleinen Sohn bei mir und bin dann natürlich mit Homeschooling beschäftigt.

„Diejenigen, die in dieser Zeit noch komplett durchziehen, verschaffen sich einen echten Vorteil[…].“

GOKIXX: Die Corona-Pandemie stellt uns alle auf eine harte und lange Probe. Auch der Vereinssport ist stark betroffen. Wie können junge Spieler mit dieser Zeit umgehen?

Timo: Es ist alles andere als einfach für die Jugendlichen, gerade auch im Hinblick auf die Perspektive und die Motivation. Das gemeinschaftliche Training auf dem Platz ist durch nichts zu ersetzen. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, da ich während meiner Karriere ja auch eine Zeit ohne Verein war. Ich habe da für mich allein auf dem Dorf trainiert, gefühlt ohne Perspektive und da hatte ich auch Tiefpunkte; Tage, an denen ich keine Kraft mehr hatte, überhaupt noch trainieren zu gehen.

GOKIXX: Und dann?

Timo: Dann gibt es keine Alternative als weiter zu machen und so gut es geht positiv zu bleiben. Es gibt kein Patentrezept dafür. Mir hat immer geholfen, Abwechslung in die Routine zu bringen, selbst wenn es nur Yoga, Fahrradfahren oder Seilspringen ist. Heute gibt es ja noch weitaus mehr Möglichkeiten als zu meiner Zeit. Auch Dinge abseits des Fußballs zu machen, sich mit anderen Themen zu beschäftigen, kann über so eine herausfordernde Zeit helfen. Klar ist: Diejenigen, die in dieser Zeit noch komplett durchziehen, verschaffen sich einen echten Vorteil gegenüber denen, die nicht die Motivation und Selbstdisziplin haben, sich auch in dieser Zeit weiter zu entwickeln.

GOKIXX: Inwieweit kann GOKIXX dabei eine Hilfe sein?

Timo: Es ist einfach eine zeitgemäße Idee, eine passende Form der Kommunikation, gerade für die Juniorenspieler, die – wie der Fußball insgesamt – immer digitaler werden. Das ist der Punkt, an dem sich die Spieler einen Benefit versprechen. Sie fühlen sich, gerade auch in der aktuellen Situation, gut betreut. Das gefällt mir. Und es bestätigt mich auch in meinem Engagement bei und für GOKIXX.


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GOKIXX: Du begleitest GOKIXX ja schon seit einiger Zeit, hast auch selbst investiert. Wie schaust du auf die Entwicklung des Unternehmens sowie der Idee?

Timo: Die Zahlen sprechen ja für sich, es kommen immer mehr Nachwuchsspieler dazu. Da sehe ich eine absolut positive Entwicklung. Die Spieler wissen mittlerweile, dass sie eine unabhängige Unterstützung genießen und gerade in den unruhigen, komplizierten Zeiten ist das ein wichtiger Faktor.

„Da sehe ich GOKIXX auch in der Verantwortung als unabhängige Plattform den Weg der Spieler zu begleiten.“

GOKIXX: Wie sah denn deine eigene Situation zur aktiven Zeit aus, wie wurdest Du unterstützt?

Timo: Ich hatte leider im Laufe meiner Karriere zu viele Berater. Ich habe nie wirklich den einen Bezugspunkt gefunden, der mich die ganze Karriere begleitet hat. Deshalb weiß ich, dass es wichtig ist, wenn es da einen Anker gibt, einen Mentor, auch abseits der Eltern. Da sehe ich GOKIXX auch in der Verantwortung als unabhängige Plattform den Weg der Spieler zu begleiten. Dann ist es einfach und unkompliziert, direktes Feedback zu bekommen, auch abgestimmt mit dem fachlichen Coaching und losgelöst von kurzfristigen Interessen Einzelner. Ich wäre dankbar gewesen, wenn es das schon zu meiner Zeit gegeben hätte.

GOKIXX: Die Zeiten lassen sich, allein schon wegen der Digitalisierung, nicht vergleichen.

Timo: Ich habe letztens noch ein Bild gesehen aus dem Internat damals, mit einem Münztelefon im Flur. Da gab es weder Chatten im Bett mit dem Handy, noch eine GOKIXX-App oder YouTube-Videos. Ich musste, wenn das Münztelefon im Flur besetzt war, in die Telefonzelle außerhalb, um zu Hause anzurufen. Das ist heute unvorstellbar, das hat sich in den letzten 20 Jahren völlig gedreht.

GOKIXX: Sprechen wir doch mal über diese Zeit, deinen Weg vom Nachwuchs des VfB Stuttgart bis zu den Profis. Wie war dieser Weg für dich?

Timo: Ich bin in die A-Jugend zum VfB gekommen, durfte wegen der Jahrgangsumstellung ein drittes Jahr A-Junioren spielen. Ich habe dann aber meistens schon bei den Amateuren mittrainiert und die Hälfte der Spiele gemacht. Irgendwann war es so, dass ich als Nummer drei bei den Profis mittrainiert habe. Die damalige Nummer zwei hat dann nicht so performt und deshalb habe ich praktisch die Nachfolge von Stammkeeper Franz Wohlfahrt angetreten, dessen Vertrag am Saisonende auslief. Der damalige Trainer Ralf Rangnick hatte geguckt, ob ich es packe, mich gegen Saisonende ein paar Spiele absolvieren lassen und dann wurde im Sommer eben kein neuer Torwart geholt, sondern sie haben mich praktisch als neue Nummer 1 für die neue Saison gemacht.

GOKIXX: Es klingt bilderbuchmäßig, fast spielerisch…

Timo: Als ich zum VfB gekommen bin, waren wir in der A-Jugend vier Torhüter und haben rotiert. Da habe ich alle vier Wochen ein Spiel gemacht. Das war ein extrem harter Wettkampf, mit viel Geduld. Es ging dann Schritt für Schritt weiter, aber bei den Profis kommt es schon darauf an, ob der Trainer auf einen jungen Torhüter setzen will. Wenn wir nicht Ralf Rangnick, sondern einen anderen Trainer gehabt hätten, der einen erfahrenen Keeper bevorzugt hätte, dann hätte ich wechseln müssen. An der Stelle ist es eben auch abhängig von den Personen. Aber es ist wichtig, nicht zu glauben, dass es immer rund laufen muss. Es gibt immer Widerstände, es stehen immer Hindernisse im Weg.

„Ich war ein so genanntes „Hemd“, auch noch in der Bundesliga. Diese größere Körperlichkeit kam bei mir erst später[…].“

GOKIXX: Welche Rolle haben dabei für Dich die DFB-Teams gespielt?

Timo: Die U-Nationalmannschaften waren für mich extrem wichtig, weil ich dort auch den internationalen Vergleich gespürt habe, gesehen habe, wie dort das Niveau ist. Wir sind damals mit der DFB-U18 Vize-Europameister geworden. Aber es ist auch zentral, sich innerhalb Deutschlands zu messen, zu sehen wie weit die anderen sind. Denn auch, wenn du in deinem Verein der Beste bist, dann siehst du vielleicht woanders in Deutschland starke Konkurrenz, einen, der noch besser ist. Dann weißt du: Okay, ich muss schon noch ein bisschen mehr machen.

Timo Hildebrand - Nationalmannschaft

Bildquelle: imago

GOKIXX: Im Zweifel auch körperlich. Hast Du Dich in der Zeit dann auch körperlich weiterentwickelt?

Timo: Ich war ein so genanntes „Hemd“, auch noch in der Bundesliga. Diese größere Körperlichkeit kam bei mir erst später, es muss ja auch zu einem passen. Nicht jeder kann so eine Verwandlung problemlos machen wie zuletzt Leon Goretzka. Ein anderer Spieler kann sich, derart muskulös, vielleicht nachher gar nicht mehr bewegen. Ich erinnere mich an die EM 2004, bei der ich als Torwart hinter Oliver Kahn mit dabei war und während der ganzen Vorbereitung mit Torwarttrainer Sepp Maier das gleiche Programm wie Oliver Kahn absolviert habe. Als ich zurückkam, hat mein Stuttgarter Torwarttrainer Ebbo Trautner gesagt: „Hey Timo, wieso bist du so langsam geworden?“ (lacht) Alles was Oliver Kahn mit Kraft und Willen gemacht hat, war bei mir eher auf Leichtfüßigkeit und Schnelligkeit ausgelegt. Das Training unter Sepp Maier aber hatte mir brutal viel Agilität genommen. Soll heißen: Es muss schon zu einem passen. Diese Individualität braucht es.

„Man muss dafür offen sein und bleiben. Der Grundsatz ist: Je früher und je besser du das Richtige machst, desto einfacher hast du es später. Darum geht es: Sich so früh wie möglich auf die guten Dinge zu fokussieren, um danach auch einfacher Erfolg zu haben.“

GOKIXX: Du blickst auf eine lange Karriere zurück, hast knapp 500 Pflichtspiele absolviert. Wie hast du deinen Körper so lange fit gehalten?

Timo: Für mich selbst habe ich sehr früh bestimmte Übungen des Bewegungssystems gemacht, die mich agil gehalten haben. Heute ist es Standard, mehr als nur eineinhalb Stunden Training auf dem Platz zu machen. Nur mit viel Aufwand schaffst du auch die Voraussetzungen, über einen langen Zeitraum verletzungsfrei zu bleiben. Du musst dich einfach pflegen. Ich denke, das ist mittlerweile auch bei den Nachwuchsspielern angekommen. Man muss dafür offen sein und bleiben. Der Grundsatz ist: Je früher und je besser du das Richtige machst, desto einfacher hast du es später. Darum geht es: Sich so früh wie möglich auf die guten Dinge zu fokussieren, um danach auch einfacher Erfolg zu haben.

GOKIXX: Wann hast du angefangen, dich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen?

Timo: Leider erst gegen Ende meiner Karriere. Das Thema hat ja verstärkt in den vergangenen Jahren Einzug im Fußball erhalten. Kurzfristige Erfolge erlebst du dabei schon, wenn du eine leichte, pflanzliche Mahlzeit isst und danach weiter mit Energie in den Tag gehst. Es geht aber auch darum, das langfristig zu betrachten, um Themen wie Verletzungsanfälligkeit, weniger Entzündungen, bessere Regeneration. Du musst das Thema Fußball-Profi ganzheitlich betrachten.

GOKIXX: Eine Frage zum Schluss. Du engagierst dich aktuell sehr stark für dein Gastrokonzept Vhy!.Wie würdest du die Grundidee zusammenfassen?

Timo: Auch da geht es um das Warum: Warum pflanzlich? Wir wollen mit unserem Angebot gar nicht dogmatisch unterwegs sein, sondern die Menschen mit guten Gründen und gutem Geschmack abholen. Das ist einfach nur ein Umdenken zu unserer über die Jahrzehnte erlebten Prägung. Einfach unterschiedliche Zutaten integrieren und mal Kichererbsen oder grünen Spargel nehmen. Es geht darum, einfach mal auszubrechen aus den gewohnten Mustern. Diesen Schritt nachhaltig zu gehen, zahlt sich langfristig aus. Das gilt für alle Dinge: Es ist am Ende kein Mehraufwand, sondern ein einfaches Umdenken.

Mehr Hintergrund:

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Detailbeschreibung der Academy-Coachings

GOKIXX im kicker-Sportmagazin

Matthias Sammer im Interview mit GOKIXX